Physiotherapie im State Hospital Rundu

Eine Physiotherapie. Drei Physiotherapeuten, ein Ergotherapeut und ich. Ein Turnsaal mit verschiedenen Geräten, Bällen und weiterem Therapiematerial. Ein Behandlungsraum mit drei Behandlungsliegen. Die Patienten kommen, werden behandelt und gehen wieder....

Eine Physiotherapie. Drei Physiotherapeuten, ein Ergotherapeut und ich. Ein Turnsaal mit verschiedenen Geräten, Bällen und weiterem Therapiematerial. Ein Behandlungsraum mit drei Behandlungsliegen. Die Patienten kommen, werden behandelt und gehen wieder. Es wird informiert, untersucht, gefragt, massiert, durchbewegt, Heimprogramme abgegeben, notiert.
Ähnlich wie in der Schweiz – zum Teil. Neben uns bekannten Krankheitsbilder und Verletzungen gibt immer wieder Dinge, die mich zum Staunen bringen. Zum Beispiel der Zeitungsverkäufer, welcher den Ärzten während der Arztvisite Zeitungen verkauft. Ein Jungen mit einer klaffenden offenen Wunde am Unterschenkel, welcher er sich bei einem Autounfall zugezogen hat. Er wurde beim Unfall aus dem Auto geschleudert und dann fuhr ihm ein grosser Pick-up über den Unterschenkel. Ausser der grossen Wunde hat er keine Knochenbrüche und keine weiteren Verletzungen. Ein zehnjähriges Mädchen wurde von einem Krokodil angefallen, welches ihm einen Teil des Oberarms rausgebissen hat. Der Bruder vom Mädchen konnte es retten.
Eingelebt habe ich mich sehr schnell und die Mitarbeiter, die Abläufe und ihre Arbeitsweisen kennengelernt. Rasch habe ich begonnen, selber zu behandeln und es macht mir grossen Spass. Der fachliche Austausch mit den anderen Therapeuten ist lebendig und bringt uns alle täglich weiter. An die Gerüche (welche ich euch auf diesem Weg ersparen kann) habe ich mich grösstenteils gewöhnt, sowie an das Behandeln mit Hanschuhen. (Nicht selten benutze ich zwei pro Hand) Die Arbeit im Spital eröffnet mir die riesige und spannende Welt vom Gesundheitsbereich in Namibia.
Doch wie kam es eigentlich dazu?
In den ersten Monaten meiner Arbeit im Don Bosco Youth Centre kristallisierte sich heraus, dass mich die Aufgaben nur teilweise auslasten werden. Eine Lösung musste her. In mehreren Gesprächen mit der Leitung vom Centre und der Koordination von Interteam beschlossen wir, die Stellenprozente zu reduzieren und mir die Möglichkeit zu schaffen, teilzeitlich noch einer weiteren Beschäftigung nachzugehen. Diese Lösung bringt für alle Beteiligten nur Vorteile. Momentan arbeite ich im Don Bosco Youth Centre 40%.
Also machte ich mich auf die Suche nach einer weiteren Arbeitsmöglichkeit. Wunschgemäss und sinnvollerweise im Bereich der Physiotherapie. In Rundu gar nicht so ein einfaches Unterfangen, da das Angebot nicht weit verbreitet ist. Es gibt mehrere Organisationen, welche die Physiotherapie entfernt berühren, eine private Praxis und die Physiotherapieabteilung im staatlichen Spital in Rundu.
Nach mehreren Gesprächen einigte sich die Spitaldirektion und Interteam darauf, mich als Development Worker einzustellen. Im Moment arbeite ich drei bis vier Vormittage in der Physiotherapie.
Ich freue mich, euch in Zukunft Geschichten aus dem Spital zu berichten.