NID (National Immunization Day)

Poliomyelitis (Kinderlähmung) ist eine Krankheit, welche durch das Poliovirus hervorgerufen wird. Der Virus befällt das Rückenmark und führt innerhalb von Stunden zu bleibenden Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod – überwiegend...

Poliomyelitis (Kinderlähmung) ist eine Krankheit, welche durch das Poliovirus hervorgerufen wird. Der Virus befällt das Rückenmark und führt innerhalb von Stunden zu bleibenden Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod – überwiegend bei Kindern. Das Virus wird unter schlechten hygienischen Bedingungen durch kotverschmutzte Hände oder Gegenstände übertragen und über den Verdauungstrakt aufgenommen. Die Behandlung beschränkt sich auf Symptombehandlung und eine Heilung gibt es nicht. Präventiv kann mit einer Impfung wirkungsvoll dagegen angekämpft werden. So gilt Poliomyelitis in den meisten Länder im Norden als ausgerottet. In Ländern im Süden trifft man immer wieder Kinder mit Polio in den Spitälern an.
In Länder im Süden leiden viele Vorschulkinder an einem Vitamin-A-Mangel, welcher durch eine einseitige Ernährung entsteht. Vitamin A kommt vor allem in Milch- und Fleischprodukten, sowie in Gemüse (Karotten, Süsskartoffeln, Kürbis, Kohl, Spinat) vor. Der Mangel an Vitamin-A führt zu einer Schwächung vom Immunsystem und macht die Kinder anfällig für Krankheiten. Die Erblindungsrate der Kinder mit Vitamin-A-Mangel ist hoch.
Mit einer nationalen Impfkampagne, welche zweimal jährlich durch das Gesundheitsministerium organisiert wird, will Namibia präventiv auf die Probleme einwirken. Alle Kinder unter 5 Jahren werden gegen Polio geimpft und erhalten einen Vitamin-A-Zusatz.
Die Organisation einer solchen Impfkampagne in der Kavango-Region ist aufgrund der weiten Distanzen nicht einfach. Pro Distrikt wurden Pflegefachpersonen, Mitarbeiter vom Spital und sonstige Freiwillige gesucht, welche bei der Kampagne mithelfen. Die HelferInnen wurden in verschiedene Teams aufgeteilt. Die einen Teams installierten sich fix in der Stadt und in den Bezirken ausserhalb Rundus. Andere Teams suchten die Leute in den Dörfern und abgelegenen Orten auf. Übers Radio erfuhren die Leute, wann die Teams wo vorbeikommen.
Unser Team fuhr während drei Tagen durch Tiefsand und Staub ins abgelegene Ncaute-Tal zu den einzelnen Schulen, Wasserstellen und Embos (Hauseinheit), um die im Gebiet lebende Bevölkerung zu erreichen. So fuhren wir zuerst jedes Teilgebiet mit dem Auto hupend ab, um den Leuten mitzuteilen, dass sie an den verabredeten Ort kommen sollen. Nach und nach trafen sie dort ein. Wir impften die Kinder, verabreichten die Vitamin-A-Tropfen und markierten die Kinder am rechten Daumen.
Für mich eröffneten die Tage einen neuen Einblick in die Lebensweise der Kavangos in abgelegenen Orten. Die Leute leben inmitten und mit der Natur, ernähren sich von ihrem Feld und Früchten aus dem Busch, tragen alte und zerlöcherte Kleidung und müssen ihr Wasser täglich kilometerweit nach Hause tragen. Daher wundert es einen auch nicht, dass die Kinder häufig sehr dreckig waren und verschmutze Kleidung trugen. Überall wo wir hinkamen wurden wir sehr herzlich empfangen und mein holpriges RuKwangali wurde mit vielen Lachern kommentiert.
An einer Wasserstelle trafen wir auf eine Kuhherde mit über 300 Tieren. Die Tiere gehören der gesamten Community. Ein Reichtum. Ich staunte über die grossen Häuser, währschaft gepflegten und doch einfachen Embos. Das Gebiet ist sehr dünn besiedelt und es ist genügend Platz vorhanden um grosszügige Häuser zu bauen. So fuhren wir teilweise eine Stunden um in einem Embo ein Kind zu impfen.
Manche Erwachsene trafen wir betrunken an. Das traditionelle Tambo (Hirsebier) wird täglich frisch gebraut und munter konsumiert. Für meine Teamkollegen kein Wunder: Was soll man so abgelegen im Busch den ganzen Tag tun ausser Trinken. Laut ihren Aussagen sei auch die HIV-AIDS-Rate in abgelegenen Gebieten weitaus höher als in der Stadt. Ich bin mir nicht ganz sicher und mache mir viele Gedanken – vor allem über die Kinder auf den Rücken der angetrunkenen Frauen.
In einer Schule trafen wir auf Kinder, welche sich beim Spielen amüsierten. Der Lehrer sei heute nach Rundu gefahren, es sei ja Zahltag. Die Kinder wissen sich zu Beschäftigen und führen uns ihre für die Cultural-Dance-Competition (Regionaler Wettbewerb von kulturellen Tänzen unter Schulklassen) einstudierten Tänze vor. Ich staune, wie gut ein tauber Junge in die Gruppe integriert ist und alles ganz selbstverständlich mitmacht.
In einem Embo wurden wir sehr herzlich empfangen. Der Besitzer war früher Lehrer und eine wichtige Person der traditionellen Behörde. Heute ist er pensioniert und geniesst seine Zeit mit seiner Familie. Er hat mir viele Fragen über die Schweiz gestellt und fand es lustig, dass ich den weiten Weg aus der Schweiz zu seinem abgelegenen Embo gefunden habe. Zum Abschluss überreichte er mir ein „Running Chicken“. (Alter, lebender, an den Füssen zusammengebundener Hahn). Ich habe mich gefreut und begann mir gleichzeitig Gedanken zu machen, was ich denn mit dem Viech zu Hause anstellen soll. Schliesslich einigte ich mich mit unserem Fahrer, dass er den Hahn für mich schlachtet und mir am nächsten Morgen die Hälfte des Fleisches bringt. Die andere Hälfte soll er für das Schlachten behalten. Ein guter Deal für uns beide. Da es bereits das zweite Huhn ist, welches ich in der Zeit hier in Rundu geschenkt bekommen habe, finde ich, dass es an der Zeit ist, eines auch mal zu kochen. Der halbe Hahn liegt jetzt in unserem Gefrierfach und wartet auf das baldige, stundenlange kochen.

XML-Datei nicht vorhanden